Neurofeedback-Behandlung

Für eine Neurofeedback-Behandlung bzw. ein Training bieten sich für verschiedene Indikationen (Anlässe) an. Hier beantworte ich häufige Fragen zur Neurofeedback-Behandlung (Neurofeedback-Training).

Neurofeedback-Training – Fragen zu Wirkung und Nebenwirkungen

Wie funktioniert die Neurofeedback-Behandlung?

Bei den Funktionen der Neurofeedback-Behandlung können wir zwei Ebenen unterscheiden:

  1. die technische Ebene, also was die Neurofeedback-Systeme / Geräte und das Equipment ermöglichen
  2. die nervliche Ebene, d. h. wodurch die Klienten in der Sitzung und danach profitieren

Wie funktioniert ein Neurofeedback-System technisch?

An bestimmten Stellen am Kopf der trainierenden Person werden Elektroden angebracht. Diese sind mit dem Neurofeedback-Rechner verbunden. Am Rechner sind zwei Bildschirme angeschlossen: einer für den Klienten und der zweite für den Trainer. Bestimmte Hirnströme werden gemessen und vom Neurofeedback-Rechner in Signale umgewandelt. Diese Signale werden auf dem Bildschirm des Klienten dargestellt.

Die Hauptsache beim Neurofeedback liegt darin, dass der Klient ein bewegliches Objekt auf seinem Bildschirm zu kontrollieren lernt, indem er seine Aufmerksamkeit auf das Objekt lenkt. Damit wird im Gehirn ein Übungsvorgang angeregt. Und hier kommen wir auch schon zu, Effekt für die Klienten.

Was bewirkt die Neurofeedback-Behandlung auf der neuronalen Ebene?

Die Klienten beginnen, mit ihrem Gehirn zu arbeiten – statt gegen das Gehirn. Dort, wo bisher oft Wut und Enttäuschung über die vermeintliche Unfähigkeit zur Konzentration herrschten, taucht mit einem Mal Zuversicht auf. Wer zum ersten Mal ein sich bewegendes Objekt auf dem Bildschirm nur mit seinen Gedanken gesteuert hat, übernimmt die Regie in seinem Kopf. Aufmerksamkeitssteuerung ist das offene Geheimnis bei der Neurofeedback-Behandlung. Es findet ein Lernprozess statt. „Ich kann meine Aufmerksamkeit erfolgreich steuern.“ Hier erkläre ich das Funktionsprinzip von Neurofeedback genauer.

Hat eine Behandlung mit Neurofeedback Nebenwirkungen?

Unerwünschte Nebenwirkungen durch Neurofeedback sind nicht bekannt, denn es handelt sich genaugenommen nicht um eine Behandlung mit Neurofeedback, sondern um ein Training. Es gibt weder invasive (also z. B. keine Spritze) noch pharmakologische (Medikament) Behandlungsschritte. Der Klient behandelt sich vom Prinzip her selbst, weil er sein Gehirn trainiert. Die einzige Nebenwirkung ist eine erwünschte: Parallel zur Erfahrung der Selbststeuerung kann sich nach und nach mehr Gelassenheit entwickeln. Diese wiederum wirkt sich auf das Erleben des Menschen und seine Beziehungen aus. Es gibt also durchaus – positive – Nebenwirkungen durch Neurofeedback. Diese Nebenwirkungen sind vorhersehbar. Und Teil des Programms.

Prinzip Neurofeedback Infografik

Prinzip Neurofeedback

Wer führt das Neurofeedback-Training durch?

Das Neurofeedback-Verfahren ist technisch gesehen ein komplexer Ablauf. Für die Patienten ist es dagegen die Erfahrung einer einfach herstellbaren Veränderung. Die Neurofeedback-Behandlung erfordert daher zum einen viel Sachkenntnis und Erfahrung des Neurofeedback-Trainers.

Was muss ein Neurofeedbacktrainer können?

Ein Neurofeedbacktrainer sollte eine professionelle Ausbildung abgeschlossen haben. Das hat mehrere Gründe. Zur Neurofeedback-Ausbildung zählen viele theoretische und praktische Präsenzstunden. In diesen lernen die Trainer Grundlagen über Biofeedback, Gehirnwellen und das Neurofeedbackverfahren. Es gibt keine Möglichkeit, Neurofeedback z. B. in einem Online-Kurs zu erlernen. Schließlich muss in der Ausbildung in der Interaktion mit Menschen gelernt werden, wie die Neurofeedback-Technik angewandt wird.

  • Elektrodenpositionierung: Der Trainer muss wissen, wie die Elektroden angelegt werden
  • Es muss wissen, welche Hirnwellen es gibt und wie sie mittels korrekter Elektrodenplatzierung gemessen werden
  • Der Trainer muss die Funktionsweise des Neurofeedbackverfahrens kennen und die Technik bedienen können
  • Er muss wissen, welche Frequenzbereiche wofür wichtig sind
  • Er braucht viel Menschenkenntnis und im Idealfall eine zusätzliche Qualifikation als Berater
  • Im Rahmen der Abklärung muss er erkennen können, in welchen Fällen er nicht mit Neurofeedback arbeiten kann bzw. darf.

Im Rahmen der Neurofeedback-Ausbildung müssen mehrere echte Behandlungen nachgewiesen werden (Falldokumentation). Außerdem ist mit der Ausbildung ist eine Zertifizierung des Lehrinstitutes oder der Akademie verbunden. Sie können also schon auf den ersten Blick erkennen, ob sich jemand ausreichend auf die Therapie von Klienten vorbereitet hat.

Zusammenfassung: Die professionelle Therapie mit Neurofeedback setzt eine intensive Ausbildung voraus. Es ist nicht damit getan, in einigen kurzen Kursen etwas oberflächliches Wissen zu erwerben. Kurse können ein Curriculum (Lehrplan) mit der erforderlichen fachlichen Tiefe nicht ersetzen. Der Neurofeedbacktrainer benötigt Training und Erfahrung: von Abklärung über Elektrodenpositionierung und Interpretation von Hirnwellen bis Einschätzung von Zustandsänderungen. Für Neurofeedback ist eine professionelle, teure Ausstattung unverzichtbar. Geräte, die für wenige hundert Euro auf dem freien Markt angeboten werden, können natürlich nicht die Funktionen echter Neurofeedback-Technik bieten.