Gehirn Aufmerksamkeit Ablenkung

Gehirn Aufmerksamkeit und Ablenkung sind nahe beieinander

Neurofeedback-Training

Neurofeedback (Biofeedback) einfach erklärt. Hier erhalten Sie die wichtigsten Informationen zum Neurofeedback-Training:

  • 1) So läuft ein Neurofeedbacktraining ab
  • 2) Hat Neurofeedback Nebenwirkungen?
  • 3) Was es bringt, die eigenen Gehirnaktivitäten zu sehen
  • 4) Was Neurofeedbacktraining mit Aufmerksamkeit zu tun hat und wie sich Neurofeedback auf die Konzentration auswirkt
  • 5) Wer führt das Neurofeedback-Training durch?

Neurofeedbacktraining – Fragen zu Wirkung und Nebenwirkungen

1) So funktioniert das Neurofeedback-Training

Bei den Funktionen der Neurofeedback-Behandlung können wir zwei Ebenen unterscheiden:

  1. die technische Ebene, also was die Neurofeedback-Systeme / Geräte und das Equipment ermöglichen
  2. die nervliche Ebene, d. h. wodurch die Klienten in der Sitzung und danach profitieren

1 a) Wie funktioniert ein Neurofeedback-System technisch?

Neurofeedback Training Elektroden am Kopf

Neurofeedback Training Elektroden am Kopf

An bestimmten Stellen am Kopf der trainierenden Person werden Elektroden angebracht. Diese sind mit dem Neurofeedback-Rechner verbunden. Am Rechner sind zwei Bildschirme angeschlossen: einer für den Klienten und der zweite für den Trainer. Bestimmte Hirnströme werden gemessen und vom Neurofeedback-Rechner in Signale umgewandelt. Diese Signale werden auf dem Bildschirm des Klienten dargestellt.

Neurofeedbacktraining Objekte – Feder Bildschirm

Neurofeedbacktraining Objekte – eine Feder wird über den Bildschirm bewegt – mit Gedanken

Die Hauptsache beim Neurofeedback liegt darin, dass der Klient ein bewegliches Objekt auf seinem Bildschirm zu kontrollieren lernt, indem er seine Aufmerksamkeit auf das Objekt lenkt. Damit wird im Gehirn ein Übungsvorgang angeregt. Und hier kommen wir auch schon zum Effekt für die Klienten.

1 b) Was bewirkt das Neurofeedback-Training auf der neuronalen Ebene?

Die Klienten beginnen, mit ihrem Gehirn zu arbeiten – statt gegen das Gehirn. Dort, wo bisher oft Wut und Enttäuschung über die vermeintliche Unfähigkeit zur Konzentration herrschten, taucht mit einem Mal Zuversicht auf.

Neurofeedback Training Bildschirm U-Boot

Neurofeedback Training Bildschirm U-Boot

Wer zum ersten Mal ein sich bewegendes Objekt auf dem Bildschirm nur mit seinen Gedanken (genaugenommen: mit der Gehirnaktität) gesteuert hat, übernimmt die Regie in seinem Kopf. Aufmerksamkeitssteuerung ist das offene Geheimnis bei der Neurofeedback-Behandlung. Es findet ein Lernprozess statt. „Ich kann meine Aufmerksamkeit erfolgreich steuern.“ Hier erkläre ich das Funktionsprinzip von Neurofeedback genauer.

2) Hat ein Training mit Neurofeedback Nebenwirkungen?

Unerwünschte Nebenwirkungen durch Neurofeedbacktraining sind nicht bekannt, denn es handelt sich nicht um eine Behandlung mit Neurofeedback, sondern um ein aktives Training. Es gibt weder invasive (also z. B. keine Spritze) noch pharmakologische (Medikament) Behandlungsschritte.

Der Klient behandelt sich vom Prinzip her selbst, weil er sein Gehirn mit Neurofeedback trainiert. Die einzige Nebenwirkung ist eine erwünschte: Parallel zur Erfahrung der Selbststeuerung kann sich nach und nach mehr Gelassenheit entwickeln. Diese wiederum wirkt sich auf das Erleben des Menschen und seine Beziehungen aus. Es gibt also durchaus – positive – Nebenwirkungen durch Neurofeedback-Training. Diese Nebenwirkungen sind vorhersehbar. Und Teil des Programms.

Prinzip Neurofeedback Infografik

Prinzip Neurofeedback

3) Dafür ist es gut, die eigene Gehirnaktivität zu sehen

Es ist ein Schlüsselmoment, wenn eine Patientin bzw. ein Patient zum ersten Mal seine eigene Gehirnaktivität auf dem Bildschirm sieht und beginnt, ein Objekt

Neurofeedbacktraining Objekte – Fisch

Neurofeedbacktraining Objekte – Fisch

ohne die Hände zu steuern. Es geht nicht darum, Gedanken darzustellen, sondern um die Gehirnaktivität in einem bestimmten Frequenzband. Wer einmal das Prinzip der Aufmerksamkeit verstanden hat, kann erlernen, seine Gehirnaktivität zu beeinflussen. Und wer das kann, ist nicht mehr unaufmerksam.

4) Das hat Neurofeedback mit Aufmerksamkeit zu tun

Viele Denkvorgänge und Handlungen „passieren“ uns nebenbei. An der roten Ampel halten und bei Grün fahren. Im Haus die richtige Wohnung finden und in der Wohnung die Küche finden. Das passiert selten durch eine große Anstrengung des Geistes – wir machen es nebenbei. Bei den Abläufen, die für unseren Alltag wichtig sind, ist es praktisch, das mit dem Denken und Handeln auf Autopilot. Aber eben nicht immer. Denn genauso unabsichtlich wie beim intuitiven Aufschließen der richtigen Wohnungstüre schweift auch der Geist bzw. die Aufmerksamkeit ab. Wir merken es meistens erst dann, wenn wir bereits unaufmerksam geworden sind und gefühlt Dutzende Themen gleichzeitig unseren Kopf bevölkern.

Hier setzt das Neurofeedbacktraining an. Durch das Training mit dem Elektroenzephalogramm können wir erlernen, den Grad unserer Aufmerksamkeit spürbar zu erhöhen.

Sobald ich merke, dass ich unaufmerksam bin, bin ich nicht mehr unaufmerksam.




Zielgerichtet Aufmerksamkeit trainieren

Zielgerichtet Aufmerksamkeit trainieren

Ähnlich können wir uns das Thema Aufmerksamkeit bzw. abschweifende Gedanken vorstellen. Das Gehirn geht von alleine spazieren, schweift ab, vertieft sich in alles, was sich gerade anbietet. In einer pathologischen Denkweise spricht man hier von ADHS – man könnte es aber ebenso gut ein Übermaß an Aufmerksamkeit nennen.

Zielgerichtete Aufmerksamkeit können wir erlernen, indem wir sie trainieren. Ähnlich wie das Dart-Spielen oder das Radfahren. In einem Zustand lockerer Zielorientierung gelingen im Sport und allen möglichen anderen Disziplinen die besten Leistungen.

So wirkt sich Neurofeedback auf die Konzentration aus

Mit dem Neurofeedback (Biofeedback) erlernen die Klienten, ihre Konzentration zu bündeln. Das gelingt meistens schon nach kurzer Zeit so gut, dass sie tatsächlich mit ihren Gedanken bzw. über ihre Konzentration ein Objekt auf dem Bildschirm steuern können. Als Neurofeedback-Trainer kann ich verschiedene vorhandene Grafiken anbieten. Die Klienten können aber auch eigene Bilder oder Symbole mitbringen, die ich dann in mein System übernehme und die beim Neurofeedbacktraining die Trainingsobjekte sind. Hier ist eine vereinfachte Darstellung zu sehen, wie so ein Bildschirminhalt beim Neurofeedback aussehen kann.

Neurofeedback – Objekte auf dem Bildschirm durch Konzentration bewegen

Neurofeedback – Objekte auf dem Bildschirm durch Konzentration bewegen

5) Wer führt das Neurofeedback-Training durch?

Das Neurofeedback-Verfahren ist technisch gesehen ein komplexer Ablauf. Für die Patienten ist es dagegen die Erfahrung einer einfach herstellbaren Veränderung. Die Neurofeedback-Behandlung erfordert daher zum einen viel Sachkenntnis und Erfahrung des Neurofeedback-Trainers.

Was muss ein Neurofeedbacktrainer können?

Ein Neurofeedbacktrainer sollte eine professionelle Ausbildung abgeschlossen haben. Das hat mehrere Gründe. Zur Neurofeedback-Ausbildung zählen viele theoretische und praktische Präsenzstunden. In diesen lernen die Trainer Grundlagen über Biofeedback, Gehirnwellen und das Neurofeedbackverfahren. Es gibt keine Möglichkeit, Neurofeedback z. B. in einem Online-Kurs zu erlernen. Schließlich muss in der Ausbildung in der Interaktion mit Menschen gelernt werden, wie die Neurofeedback-Technik angewandt wird.

  • Elektrodenpositionierung: Der Trainer muss wissen, wie die Elektroden angelegt werden
  • Es muss wissen, welche Hirnwellen es gibt und wie sie mittels korrekter Elektrodenplatzierung gemessen werden
  • Der Trainer muss die Funktionsweise des Neurofeedbackverfahrens kennen und die Technik bedienen können
  • Er muss wissen, welche Frequenzbereiche wofür wichtig sind
  • Er braucht viel Menschenkenntnis und im Idealfall eine zusätzliche Qualifikation als Berater
  • Im Rahmen der Abklärung muss er erkennen können, in welchen Fällen er nicht mit Neurofeedback arbeiten kann bzw. darf.

Im Rahmen der Neurofeedback-Ausbildung müssen mehrere echte Behandlungen nachgewiesen werden (Falldokumentation). Außerdem ist mit der Ausbildung ist eine Zertifizierung des Lehrinstitutes oder der Akademie verbunden. Sie können also schon auf den ersten Blick erkennen, ob sich jemand ausreichend auf die Therapie von Klienten vorbereitet hat.

Zusammenfassung: Neurofeedbacktraining, also die professionelle Therapie mit Neurofeedback setzt eine intensive Ausbildung voraus. Es ist nicht damit getan, in einigen kurzen Kursen etwas oberflächliches Wissen zu erwerben. Einige Kurse in Biofeedback können ein Curriculum (Lehrplan) mit der erforderlichen fachlichen Tiefe nicht ersetzen.

Neurofeedback-Training Objekte – Fisch

Neurofeedback-Training Objekte – Fisch

Der Neurofeedbacktrainer benötigt Training und Erfahrung: von Abklärung über Elektrodenpositionierung und Interpretation von Hirnwellen bis Einschätzung von Zustandsänderungen. Für Neurofeedback ist eine professionelle, teure Ausstattung unverzichtbar. Geräte, die für wenige hundert Euro auf dem freien Markt angeboten werden, können natürlich nicht die Funktionen echter Neurofeedback-Technik bieten.

Ein Neurofeedbacktraining ist unter bestimmten Voraussetzungen besonders sinnvoll. Hier geht es zu den Indikationen (Anlässe).

Dank EEG sehen, was im Kopf passiert

Dank EEG sehen, was im Kopf passiert